Sachen gibt’s: Das Filmfestival auf dem Rathausplatz, an sich eine Spielstätte für gut abgehangene Musikfilme, soll zum Schauplatz für eine Weltpremiere werden. Nun ja, zumindest zu einem Schauplatz unter vielen. ABBA, so heißt es, werden am Donnerstag aus der Versenkung auftauchen und eine Live-Show auf etliche Leinwände der Welt übertragen. Nur zur Sicherheit: Es geht da nicht um irgendeine Nachäffer-Band. Sondern um die vier Schweden mit der Ikea-artigen Prominenz, die mit Disco-Hits und Geniemelodien Stadien füllten - bis die Scheidung der beiden Musikerpaare das Ende besiegelte. Ein Schmerz, der 40 Jahre später verdaut ist: Die Band soll 2018 neue Lieder eingespielt haben. Die Faktenlage für Donnerstag ist dennoch karg: "02.09.21. The wait is almost over." Mehr spuckt die Website abbavoyage.com bisher nicht aus, sondern befeuert lieber Spekulationen.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.

Man könnte aber nicht nur über dieses seltsame Event spekulieren, sondern auch darüber hinaus. Wäre ja denkbar, dass bald auch andere Altstars auf den Geschmack kommen und lieber ihre Stimme auf Reise schicken als den Luxusleib. Oder überhaupt im Homeoffice auftreten. Elton John am Salonflügel. Madonna im Yoga-Raum. David Hasselhoff in der Autogarage. Wobei man den, Vorteil!, beim ersten falschen Ton ausknipsen dürfte. Man könnte aber natürlich auch finden, dass das eine schrecklich kalte Musikwelt wäre. Und dass ABBA live jedem geschönten Video vorzuziehen wäre. Auch wenn die Synchrontänze der Schweden nicht mehr so schnittig aussehen dürften wie in den 70ern.