England und Rassismus. Rein historisch betrachtet hat das immer zusammengehört. Wenn man die Geschichte des British Empire besieht etwa, aber auch im Fußball war es in erster Linie der Einfluss rechtsradikaler und fremdenfeindlicher Hooligans von der Insel, der den Rassismus in den 1970er Jahren in den Stadien (wieder) salonfähig machte und in andere Länder wie Deutschland, aber auch in die Staaten des früheren Ostblocks "exportierte".

Dass es nun beim jüngsten WM- Qualifikationsspiel zwischen England und Ungarn zu selten hässlichen Szenen gekommen ist und die schwarzen Kicker Jude Bellingham und Raheem Sterling von ungarischen Anhängern mit Affenlauten beleidigt wurden, ist freilich nicht die Schuld der Three Lions. Vielmehr ist ihr Leiden ein Beleg dafür, dass die Geißel des Rassismus trotz aller Kampagnen und Sanktionen von Uefa und Fifa im Fußball immer noch zuschlägt - auch in England. Die Beleidigungen von englischen schwarzen Kickern durch ihre ebenso englischen "Fans" nach dem EM-Finale auf Social Media sind noch frisch in Erinnerung.

Ob zusätzliche Sanktionen und Kampagnen hier ein Umdenken bringen, ist also eher nicht zu erwarten. Etwas ändern dürfte sich erst, wenn sich in Sachen Vorbildwirkung etwas ändert - angefangen bei den Regierenden. Und da muss man gar nicht erst Donald Trump bemühen. So hat erst vor wenigen Wochen ein gewisser Boris Johnson gemeint, dass es in Ordnung sei, Spieler, die als Zeichen gegen Rassismus auf die Knie gehen, auszubuhen. Am Freitag hat derselbe Mann die Ereignisse in Budapest scharf verurteilt. Um es mit den Worten von Ex-Teamspieler Gary Neville zu sagen: "Unglaubwürdig."