Man kennt die Bilder aus Nordkorea und der alten Sowjetunion: Frenetischer Jubel bei allem, was von der Spitze kommt. Parteitage mit nichts als Zustimmung. Und von der Qualität der Wahlen brauchen wir nicht zu reden.

Auch wenn die ganz absurden Inszenierungen selten geworden sind: Im Internet wollen manche auch nicht ohne begeisterte Zustimmung auskommen. Und wenn diese nicht von selbst entsteht, dann muss man eben nachhelfen. Eine Studie hat nun Kommentare zu Russland-Berichten in westlichen Medien untersucht. Ergebnis: Prorussische Trolle versuchen offenbar, breite Zustimmung zur Politik des Kreml im Westen vorzugaukeln. Seit dem Beginn der Untersuchung im April hätten sie Pro-Kreml- und antiwestliche Äußerungen zu fast 250 Artikeln aus gut einem Dutzend Länder veröffentlicht, ermittelten Experten der Universität Cardiff.

Diese angeblich authentischen Reaktionen würden dann wiederum in russischen Staatsmedien als Beleg für die Zustimmung im Westen herangezogen, so die Studie. In Großbritannien seien unter anderem Beiträge von "Daily Mail", "Daily Express" und "The Times" betroffen gewesen.

Jetzt kann man von der "Daily Mail" mit Fug und Recht behaupten, dass das Problem eher der Text über den Kommentaren sei (und es auf diese auch schon nicht mehr ankomme). Dennoch beschränkt sich die russische Intervention wohl nicht auf Großbritannien. Bei allzu kritiklosem Kreml-Jubel sollte man wohl auch bei uns hellhörig werden.