Geduld ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne sie. So ähnlich läuft es im Fußball meistens und also derzeit auch beim FC Barcelona. Während Trainer Ronald Koeman aufgrund der Verletzungen und der jungen Spieler, die integriert werden wollen, Geduld einmahnt, soll hinter den Kulissen schon über die Ablöse des Niederländers diskutiert werden. Laut spanischen Medien soll er noch eine Galgenfrist von vier Spielen bekommen - sollte sich gegen die (dem Papier nach schwächeren) Gegner Granada, Cadiz und Levante sowie danach im nächsten Champions-League-Spiel gegen Benfica keine deutliche Trendwende abzeichnen, dürfte Koeman nach etwas mehr als einer Saison bei den Katalanen Geschichte sein.

Überraschend wäre das nicht, Koeman kennt die Usancen eines Marktes, der den schnellen Erfolg einem langfristigen Aufbau gegenüber doch zumeist bevorzugt. Das Problem ist nur, dass genau diese Usancen erheblich zur aktuellen Misere beigetragen haben. Jahrelange Misswirtschaft, hohe Ablösen und horrende Gehälter haben schließlich dazu geführt, dass Barca zuletzt sein Tafelsilber hergeben musste.

Dass dieses Barcelona, das ja nicht nur Messi, sondern viele andere Spieler à la Antoine Griezmann und zudem spielerisch schon länger seine Identität verloren hat, nicht (mehr) Favorit in der Meisterschaft, geschweige denn in der Champions League sein würde, war abzusehen; dass nun Verletzungssorgen dazu kommen, ist halt auch ein bisserl Pech. Sich nur darauf herauszureden, wäre freilich zu einfach. Schließlich agierte Barca zuletzt beim 0:3 gegen Bayern nicht nur frei von Glück, sondern auch frei von Ideen. Aber die sprudeln auch auf Führungsebene nicht. Denn flugs den Trainer auszutauschen, mag von den Ergebnissen her nur recht und billig sein - wirtschaftlich wär’s aber erst recht teuer.