Aufhören, wenn’s am schönsten ist - das war Gregor Schlierenzauer nicht vergönnt. Oder besser: Das wollte er sich selbst nicht gönnen. Jedenfalls waren die medialen Nachrufe auf die Karriere des im Weltcup erfolgreichsten Skispringers aller Zeiten noch nicht einmal fertiggetippt, da hagelte es in einschlägigen Internet-Foren schon hämische Kommentare à la: "Nur des Geldes wegen so lange weitergemacht", "was bleibt, sind neben seinen Siegen auch seine Zerwürfnisse mit (Ex-)Trainern" und "den richtigen Zeitpunkt verpasst".

Nun ist Ersteres freilich blanker Unsinn (Schlierenzauer wäre sicher nicht ärmer, hätte er sich die zahlreichen von überschaubarem Erfolg gekrönten Comrebackversuche nicht angetan), über die Hintergründe des Zweiteres wissen nur die Beteiligten selbst wirklich Bescheid (und heißt es nicht immer: nur "schwierige" Sportler kämen ans Ziel), und Letzteres lässt sich von außen einfacher beurteilen, als es ist.

Doch es scheint ein Reflex nicht nur, aber besonders den Sport betreffend, zu sein, es halt immer auch ein bisserl besser zu wissen. Schließlich werden Sportler zu nationalen Helden stilisiert, die dann dementsprechend auch als Allgemeingut betrachtet werden. Wundern braucht sich daher niemand, der dieses Spiel mitspielt, über solche Kommentare - seriöser macht es sie deshalb aber noch lange nicht. Denn wenn es überhaupt den vielzitierten "richtigen Zeitpunkt" geben sollte, kann den niemand besser einschätzen als derjenige selbst.

Schlierenzauer hat die Frage für sich beantwortet: "Die Entscheidung fühlt sich ebenso wie der Zeitpunkt richtig an." Und damit kann man es dann auch bewenden lassen. Klingt halt nicht ganz so spektakulär. Doch es soll Phasen geben, da sind auch Sportler nicht mehr fürs Spektakel oder Volksgaudium zuständig. Und das macht das Aufhören dann vielleicht doch auch schön.