Der Klimawandel hat nicht nur die Titelseiten der Zeitungen und die Wahlkämpfe im Griff, sondern auch die heimische Bundesliga. Nur mit dem Unterschied, dass hier nicht die Temperatur steigt, sondern die Zahl der Titel bei den großen Klubs Rapid und Austria in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich abgenommen hat. Ausschläge nach oben, etwa bei Meisterschaftsgewinnen - zuletzt 2008 (Rapid) und 2013 (Austria) - findet man in der Statistik immer seltener. Und daran dürfte sich auch, wenn man die derzeitige Tabellensituation besieht, nicht allzu rasch etwas ändern.

Dass der einstige Serienmeister Rapid heuer den schlechtesten Saisonstart in seiner Geschichte hingelegt hat und sich nun nach dem 0:3 gegen Sturm Graz vom Sonntag mit Tirol den letzten Tabellenrang teilen muss, ist ein Alarmsignal und lässt bei vielen Fans ein Gefühl wach werden, das wohl jenem von Klimaaktivisten bei Rekordhitzen, Hochwasser oder Gletscherschmelzen nicht ganz unähnlich ist. Aber was will man tun? Platzstürme nützen da nichts, was Rapid braucht, ist eine langfristige Neuausrichtung, eine "Rapid-for-future"-Bewegung, die den Verein vom Vize- zum Meistertitel und von der Europa in die Champions League treibt.

Dass Erfolg unter schwierigen Bedingungen möglich ist, hat Rapid einst mit dem großen Otto Baric unter Beweis gestellt. 14 Saisonen lang hatten die Wiener keinen Meister- und (fast) keinen Cup-Titel gewonnen - bis Baric 1982 übernahm und das Double holte. Bis 1988 folgten sechs weitere Titel sowie der Einzug ins Europapokalfinale 1984/85. Das zu wiederholen, wird nicht leicht, schon gar nicht gegen im Geld schwimmende Salzburger. Mit Rapids schärfsten Konkurrenten in den 1980ern, der Austria, ist die Dosen-Truppe ja nicht zu vergleichen. Ohne Neustart wird es dennoch nicht gehen. Das gilt für jede Art von Klimawandel.