Es ist Tag der Lebensmittelverschwendung. Den im Kalender der UNO verankerten Tag gebührend zu feiern, wirkt ein wenig eigenartig. Stellen Sie sich nur Menschen vor, die am 29. September jubelnd durch die Straßen ziehen und "Hoch lebe die Lebensmittelverschwendung!" rufen. Oder man wirft zur Feier des Tages einen frischen Kornspitz in den Müll.

Aber so ist das natürlich nicht gemeint, weil das Ganze in der Tradition der französischen Revolution steht. Was die jetzt wieder damit zu tun hat? Nun, mit ihr wurde der republikanische Kalender eingeführt. Der bescherte den Franzosen von 1792 bis 1806 nicht nur neue lustige Monatsnamen (der September hieß beispielsweise "Lesemonat" - wie die Weinlese, nicht die Bücher). Jeder Tag stand zudem im Zeichen einer Frucht, eines Gemüses oder eines Tieres. Alles zum Wohle der Volksbildung. Es gab einen Tag des Erdapfels, der Birne, des Pferdes und so weiter.

Der 29. September war übrigens der Tag des Amarants. Wenn Sie nicht wissen, was das ist, sind sie um 200 Jahre zu spät und am falschen Ort geboren. Analog zum republikanischen Kalender bilden uns heute die Vereinten Nationen mit dringlicheren Konzepten: dem Tag der weiblichen Richter etwa, dem Tag der Wandervögel und eben dem Tag der Lebensmittelverschwendung - beziehungsweise dem Tag des Bewusstseins für Lebensmittelverlust und -verschwendung, wie er mit vollem Namen heißt. Denn davon haben wir inzwischen soviel, dass man uns gar nicht mehr erklären muss, was wir da alles wegschmeißen. Bewusst machen muss man lediglich, dass dieser Müll andere Menschen vor dem Hungertod oder den Folgen von Mangelernährung bewahren würde.