Paul Riley ist seinen Job also los, vielleicht wird er nie wieder einen (im Frauenfußball) bekommen. Paul Riley, das ist jener Trainer, der in den USA in den vergangenen Tagen unfreiwillig für Schlagzeilen gesorgt hat, weil Ex-Spielerinnen ihm in einem Bericht auf theathletic.com sexuelle Nötigung, Beleidigungen und Herabwürdigungen vorwerfen, die bekanntesten von ihnen aus seiner Zeit bei den Portland Thorns 2014/15.

Dass die Liga jetzt erst reagiert, ist der eigentliche Skandal. Denn neu sind die Anschuldigungen keineswegs. Dass die Spielerinnen sich damals schon an das Team gewandt haben, bestätigte dieses nun selbst, indem es einräumte, Rileys Vertrag aufgrund "Verhaltensverstößen" damals nicht verlängert zu haben, auch die Liga soll Bescheid gewusst haben. Das hinderte diese nicht, Riley einen neuen Vertrag unterschreiben - und dadurch neuerlich auf Spielerinnen los zu lassen.

Dass sie nun aufstehen, aufschreien und vor allem konkrete Forderungen stellen, ist längst überfällig. Denn die bittere Erkenntnis nicht nur aus diesem Fall lautet: Wenn sie sich auf Autoritäten verlassen, sind sie verlassen. Schließlich haben es sich die Obrigkeiten in ihren chiquen Führungsetagen schön eingerichtet, während das sozialrechtliche Schutznetz für die Spielerinnen löchrig ist.

Vor diesem Hintergrund ist auch der schon Jahre andauernde Kampf um Gleichberechtigung der US-Fußballerinnen, bei dem es um sehr viel mehr als nur ums Geld geht, mehr als verständlich. Gerne würde die Liga mit der Entlassung des umstrittenen Coaches einen Schlusspfiff für die Riley-Causa ertönen lassen. Doch das wird nur gelingen, wenn er gleichzeitig der Ankick für einen Systemwandel ist.