In der Theorie sollten die Sozialen Medien eigentlich der Demokratie zur Blüte verhelfen. Nie war es einfacher, sich als "normaler Bürger" Gehör zu verschaffen. Diese Theorie funktioniert aber nur dann, wenn der Betreiber der Plattform nicht manipulativ eingreift. Facebook tut das auf vielfältige Weise und das ist kein Geheimnis, sondern ein Produkt, das man kaufen kann. Steckt man genug Dollar in die Maschine, zeigt sie den Menschen exakt jene Dinge an, von denen sie aus Erfahrung weiß, dass sie ihnen gefallen. Ob sie auch wahr sind, war Facebook stets relativ egal. Pecunia non olet!

Politische Werbetreibende haben sich das in den vergangenen Jahren mehrfach massiv zu Nutzen gemacht, durchaus auch, um Wahlen im Ausland zu beeinflussen. Die krassesten Resultate: Trump und Brexit, also Schäden, die wohl in Jahrzehnten noch nicht ganz behoben sein werden.

Die ehemalige Produktmanagerin Frances Haugen gab sich am Sonntag unter anderem in der TV-Sendung "60 Minutes" als jene Whistleblowerin zu erkennen, dank der wir exklusive Einsichten ins Innere des Facebook-Konzerns haben. Sie sagt, sie sei frustriert gewesen, weil Facebook nicht ausreichend offen damit umgehe, dass das Netzwerk Schaden anrichten könne. Im Rahmen ihres Jobs sei ihr klar geworden, dass der Kampf gegen Manipulationsversuche bewusst klein gehalten wurde: mit zu wenig Ressourcen, um etwas auszurichten. Wachstum war Facebook wichtiger. Durchaus auch auf Kosten der Demokratie.