Als die Weltgemeinschaft zuletzt eine globale Pandemie erlebte, steckte die Fifa als Organisation noch in den Kinderschuhen, und auch die Länder und speziell der Fußball waren noch viel weniger vernetzt als heute. Hätte es 1919, als die Spanische Grippe wütete, die WM beispielsweise als Event schon gegeben, könnte sich die Fifa im Kampf gegen Corona auf Erfahrungen stützen, die ihr - und nicht nur ihr - heute fehlen.

Und es waren und sind sehr neue Erfahrungen, die der sonst stets selbstbewusst auftretende und selbst oft mit brutalsten Regimen gut stehende Weltverband in den vergangenen eineinhalb Jahren machen musste: Dass neuerdings weniger Geld zum Verteilen da ist, zum Beispiel. Oder dass der eigene Einfluss im Schwinden begriffen ist, weil Corona-Politiker und Gesundheitsbehörden das Sagen haben - und das ist ja fast überall auf der Welt der Fall.

Zuletzt deutlich zum Ausdruck kam die neue Ohnmacht der Fifa im Streit rund um einen neuen Erlass der britischen Regierung, wonach geimpfte (!) Fußballer aus der Premier League, die sich zu Länderspielzwecken in Ländern mit hohen Inzidenzen (Rote Liste) aufgehalten haben, zwar nicht mehr in Quarantäne, dafür aber in "Vereinsblasen" zu begeben haben - was wiederum bei jenen Klubs, die etwa brasilianische Fußballer unter Vertrag haben, geharnischte Kritik auslöste.

Und was tut die Fifa? Statt ein Statement fürs Impfen abzugeben und sich dafür einzusetzen, voll immunisierte Fußballer weltweit gleich zu behandeln, begrüßte sie am Montag noch das englische "Entgegenkommen". Dem nicht genug, sprach sie sich sogar in einer Geste der Bescheidenheit dafür aus, Kicker beim Impfen nicht zu bevorzugen. Beides ist aber das falsche Signal: Geimpfte sollten frei arbeiten dürfen und Ungeimpfte geimpft werden. Für diese Einsicht braucht es keine Erfahrung. Nur Hausverstand.