Am Montagabend trudelte in der Fifa-Zentrale ein offener Brief ein, der geeignet sein könnte, für Sorgenfalten auf des Fußballweltverbandes-Präsidenten Stirn zu sorgen. Gianni Infantino will bekanntlich Weltmeisterschaften (für Männer und Frauen) alle zwei Jahre durchpeitschen, als seine Sprachrohre vorgeschickt werden Arsene Wenger, Chef der technischen Beratungsgruppe, sowie zahlreiche Ex-Stars.

Aktuelle Spieler, also jene, die es am meisten betrifft, halten sich zurück, die europäische Klubvertretung ECA ist skeptisch. Das war sie aber schon oft, ehe sie sich dann doch meist mit monetären Argumenten umstimmen ließ. Nun aber regt sich auch Widerstand aus einer Ecke, mit der Infantino, Wenger (und die saudischen Initiatoren) eher weniger gerechnet hatten: Zehn europäische Frauenfußball-Ligen haben in einer Stellungnahme ihre Bedenken zum Ausdruck gebracht - und dabei glaubhaft gemacht, dass es ihnen nicht kurzfristig ums Geld, sondern mittel- und langfristig um die Entwicklung gehe.

Ersteres wäre wohl durch verkürzte Intervalle zu bekommen, zweiteres könnte gehemmt werden. Man würde mehr als jetzt im Schatten der Männer stehen; Olympia, bei den Frauen ein bedeutender Faktor, würde an den Rand gedrängt werden; viele Nationen, die noch nicht so weit seien, könnten sich vergaloppieren, so nur einige der Befürchtungen. Die Fifa täte gut daran, sie ernst zu nehmen, wenn sie sich selbst und ihre Beteuerungen, man wolle den Frauenfußball fördern, ernst nimmt.

Und mit Wengers Aussage, "wenn wir so weitermachen, fahren wir gegen die Wand" (die übrigens ähnlich klingt wie das Hauptargument der Super-League-Proponenten), kommt man da nicht weit. Denn wenn man schon das Gefühl hat, man bewege sich in Richtung Wand, gibt es vielleicht Ratsameres, als fester aufs Pedal zu steigen.