Dass frühere Nachrichten schon einmal für spätere Probleme sorgen können, ist jetzt an sich keine Nachricht, die überraschen sollte, da gibt es keinen großen Unterschied zwischen, sagen wir einmal, österreichischer Innenpolitik und US-Sport. In Letzterem musste nun Jon Gruden, einer der bekanntesten Football-Trainer, gehen. Von Gruden waren zehn Jahre alte Mails aufgetaucht, in denen er den früheren Washington-Funktionär Bruce Allen sowie den Geschäftsführer der Spielervereinigung, DeMaurice Smith, rassistisch beleidigt haben soll, dazu gab es weitere Berichte über rassistische und sexistische Bemerkungen. "Ich liebe die Raiders und möchte keine Belastung sein. Vielen Dank allen Spielern, Trainern, Mitarbeitern und Fans der Raiders. Es tut mir leid, ich wollte nie jemanden verletzen", schrieb der nunmehrige Ex-Trainer der Las Vegas Raiders auf Twitter.

Dass Gruden selbst (wenn auch unter Druck) die Konsequenzen gezogen hat, ist zu begrüßen - ebenso wie es zu erwarten ist, dass noch weitere seinem Beispiel folgen werden.

Doch die Empörung innerhalb der NFL hat etwas Heuchlerisches. Schließlich ist die Liga (die längste Zeit) nie aufgestanden, wenn ein Spieler während der Hymne als Zeichen des Protests gegen Repressionen gegenüber Minderheiten auf die Knie gegangen ist und wohl auch deshalb keinen Job mehr bekommen hat. Sie hat es die längste Zeit über verabsäumt, ihre Kultur einer Revision zu unterziehen und einen etwaigen Wandel herbeizuführen. Sie hat sich zwar öffentlichkeitswirksam entschuldigt, als es vor einem Jahr im Zuge der Black-Lives-Matter-Bewegung opportun war ("Wir hätten besser zuhören zu müssen"), seitdem aber recht wenig getan. Personen jetzt auszutauschen, wird nicht reichen, um längerfristig Glaubwürdigkeit herzustellen.