Man will den Teufel ja nicht immer gleich an die Wand malen, die Hoffnung erstrahlt meist in viel helleren Farben - im Falle Rapids nicht nur sprichwörtlich in Grün. Doch Vereinsikone hin, Motivationskünste her, nach etwas mehr als drei Jahren war das Aus der einstigen Vereinsikone Dietmar Kühbauer als Trainer der Hütteldorfer am Mittwoch nun nicht mehr abzuwenden. Das 1:4 gegen den WAC war zuviel, die Länderspielpause wohl der geeignete Zeitpunkt, sich intensiver mit der Nachfolgedebatte zu beschäftigen. Da kann das Scheiden noch so weh tun, wie alle Beteiligten am Mittwoch erklärten.

WZ Tamara Arthofer - © WZ

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Doch der Teufel, der steckt ohnehin oftmals in Details, für die die Betroffenen bisweilen nur wenig können. Finanzielle Verhältnisse, Kaderplanung, jahrelange Steuerung und Scouting sind mindestens ebenso wichtige Bausteine im Erfolgspuzzle wie die täglichen Übungseinheiten. Ein großer Name kann vielleicht kurzfristig Euphorie entfachen (und sich durchaus auch mittelfristig als guter Trainer etablieren - immerhin waren nach dem Vizemeistertitel Rapids vor wenigen Monaten noch alle Feuer und Flamme), alles wettmachen kann aber auch er nicht. Wobei man bei einem (zugegebenermaßen nicht ungewagten) Schwenk zum FC Barcelona wäre. Denn auch dort soll’s nun eine einstige Klubgröße richten. Doch für Xavi Hernandez ist die Aufgabe beim (einstigen) Spitzenklub vielleicht noch mehr ein Himmelfahrtskommando als für Kühbauer bei Rapid. Die jahrelangen Versäumnisse wird der 41-Jährige, der als Trainer bisher nur Erfahrung beim katarischen Verein Al-Sadd aufzuweisen hat, nicht aufholen können; dazu kommen die überschäumenden Erwartungen an ihn, den einstigen Spielerstar, und durch ihn. Barcelona ist aktuell nur Tabellenneunter, habe aber den Anspruch, "jedes Spiel zu gewinnen", sagte Xavi, dem als erstes Spiel am Samstag komender Woche das brisante Stadtderby gegen Espanyol bevorsteht, bei seiner Präsentation zu Wochenbeginn.

Anspruch und Wirklichkeit klaffen da eben doch ein bisschen auseinander. Aber: Man will den Teufel ja nicht an die Wand malen. Manchmal ist jede noch so utopisch anmutende Hoffnung eben auch ein Strohhalm - und wenn’s ein blau-roter ist.