"Pisse ist besser als Impfung", steht auf einer Hauswand am Wiener Wallensteinplatz. Auf einer anderen in der Gegend heißt es: "Impfung = Genexperiment". Die Schmierereien sind neu. Sie stammen aus einer Zeit, da die täglichen Infektionen in Österreich schon über 13.000 lagen.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.

In den Sozialen Medien laufen Schwurbelanten Sturm gegen die Impfung. "Nur nicht impfen, da sind Gene drin", schreibt auf Facebook einer, der sich wahrscheinlich mittels Schnitzel und Wurst jeden Tag Kalbs- und Schweinegene zuführt. Man wird gewarnt vor Erbgutveränderungen, vor Aids-Ausbrüchen, vor dem "plötzlichen Impftod", der, Schwurbelanten-Logik, auch erst mit jahrelanger Verzögerung eintreten kann.

Kein einziges dieser Argumente hält einer wissenschaftlichen Überprüfung stand. Das freilich ist irrelevant. Die Schwurbelanten bewegen sich in ihrer Echokammer. Sie nehmen nur wahr, was zu ihrem Bild passt, nämlich, dass die Impfung schädlich bis tödlich oder gar irgendein Experiment irgendeiner Dunkelmacht ist.

Dennoch wird die vernünftige geimpfte Mehrheit nicht umhinkommen, lieber früher als später mit der ungeimpften Minderheit solidarisch zu sein und sich in einen wie auch immer umrissenen Lockdown zu begeben, um eine der großartigsten Nationen der Welt, Österreich, vor einer diesem Land unwürdigen humanitären Katastrophe zu bewahren.

Eine umgekehrte Solidarität sollte folgen: Eine mit dem Lockdown verbundene Impfpflicht für alle, bei denen es keine amtsärztlich beglaubigte Kontraindikation gibt.