Der Nestroy wurde heuer nur im Fernsehen vergeben. In einer voraufgezeichneten Sendung ohne Publikum. Wieder einmal. Die Theaterpreisgala steht somit sinnbildlich für die Frustration dieser Tage: Kennt man jetzt schon. Hat man eigentlich nicht mehr so erwartet. Aber.

Im Kulturbereich, also vor allem im Kulturmanagementbereich ist man durchaus zwiespältig eingestellt, was den neuerlichen Lockdown betrifft. Natürlich würden Theater und Co lieber offen bleiben. Und der Schutz des Publikums, der von Beginn an in diesem Bereich durch ein besonders wirksames Sicherheitsnetz geboten wurde, wäre auch nicht das Problem gewesen. Aber die vierte Welle kam in den Ensembles an. Bereits vor ein paar Wochen häuften sich die Änderungen in den Spielplänen, besonders betroffen war das Theater in der Josefstadt. Frei nach dem Titel der wegen Impfdurchbrüchen (vier Fälle, leichte Verläufe) verschobenen Jelinek-Premiere sprach Direktor Föttinger von einem "Rechnitz"-Cluster. Auch Bundestheater-Geschäftsführer Christian Kircher bedauerte zwar die neuerliche Schließung, sagte aber auch: "Unser Tun stand zuletzt an der Kippe." In der Staatsoper, so Direktor Bogdan Roščić, musste zwar keine Vorstellung abgesagt werden: "Aber zum Teil wussten wir erst wenige Minuten vor Beginn, ob es sich ausgeht."

Auch wenn vieles dieser Tage altbekannt ist, das ist doch diesmal neu: Hier zeigte sich, wie wacklig alles wird, wenn die Politik zu spät reagiert.