Der Protestschrei über die "Licht ins Dunkel"-Spendengala in der vergangenen Woche ist nicht zu überhören. Während dem Land ein Lockdown verordnet wurde, wurde im ORF-Fernsehen gefeiert - mit Gesang, Tanz und ohne Maske - und zumindest aus Zuschauersicht mit zu geringen Abständen. Mittendrin: die Spitzen des Staates.

Man muss nicht so weit gehen wie ein ÖVP-Gemeinderat und Rechtsanwalt, der vom Bundespräsidenten abwärts Anzeigen wegen Verstoßes gegen die entsprechenden Verordnungen einbrachte. Aber man darf sich die Frage stellen: War das wirklich notwendig? Sicher, die Gäste waren wohl geimpft und ganz sicher getestet - der ORF hat dazu vorbildlicherweise eine eigene, hochprofessionelle Teststraße im Haus. Aber welches Vorbild bietet der ORF hier seinen Zuschauern? Dass der Pöbel ruhig in seiner Wohnung vor sich hin schmachten soll, während man sich anderenorts ausgelassen amüsiert und (scheinbar) auf nötige Maßnahmen verzichtet? Kann man da wirklich noch illegale Garagenpartys crashen und harte Strafen verteilen, wenn der wichtigste Sender des Landes hier so ein schlechtes Bild abgibt? Sicherlich, man kann alles rechtfertigen und schönreden. Fakt ist jedoch: Hier wurde der kollektiven Anstrengung, die eine Notmaßnahme eben nun einmal ist, ein Bärendienst erwiesen. Gerade vom ORF muss man erwarten können, dass man weiß, was TV-Bilder im Subtext übermitteln können. Etwas Sensibilität wäre hier angebracht gewesen.