Ein Monat ist vergangen, seit Chinas (Ex-)Tennis-Star Peng Shuai Missbrauchsvorwürfe gegen einen früheren Spitzenpolitiker erhoben hatte. Ein Monat, in dem es außer Video-Botschaften, die die Zweifel eher geschürt haben, keine öffentlichen Äußerungen Pengs gab. Was es dafür gibt, ist ein unkoordiniertes Vorgehen der Politik und des Sports, was die Verschwörungstheorien Chinas nur befeuert.

WZ Tamara Arthofer - © WZ

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Nachdem die Damen-Tour WTA angekündigt hatte, keine Turniere mehr in China austragen zu wollen, sollte sich am Status nichts ändern, zeigte sich das internationale olympische Komitee irritiert, weil es seine diplomatisch halbherzigen Kontaktversuche desavouiert sah, die Herren-Tour ATP äußerte sich gar nicht (wiewohl viele männliche Spieler sich mit Peng solidarisch erklärten); nun erst meldete sich der Weltverband ITF zu Wort - indem er der WTA in den Rücken fiel und erklärte, die von ihm ausgetragenen (Junioren- und Senioren-)Turniere würden selbstverständlich weiter in China gespielt werden. Zwar unterstütze man Frauenrechte, zwar müssten die Anschuldigungen untersucht werden, für Maßnahmen sieht man aber keinen Anlass. Man müsse bedenken, dass man für die "Entwicklung an der Basis" verantwortlich sei.

Welche Basis es ist, wenn Frauen sich nicht selbstständig zu Wort melden dürfen, ist die eine Frage. Die andere, die sich aufdrängt, ist, ob nicht Peng nicht nur für einen politischen, sondern auch für einen Tennis-internen Machtkampf missbraucht wird. Denn wenn ITF-Chef David Haggerty sagt, man dürfe nicht "Milliarden Menschen bestrafen", fragt man sich schon, wer nun bestraft wird - beziehungsweise, auf wessen Rücken andere Differenzen ausgetragen werden.