Wie nah Freud und Frust im Sport oft beisammen liegen, ließ sich bei der am Donnerstag zu Ende gegangenen Vierschanzentournee deutlich an den Gesichtern der österreichischen Skispringer ablesen. Während Daniel Huber dem Begriff "Adler" alle Ehre machte und zu seinem Premierensieg, noch dazu auf der Heimschanze in Bischofshofen, segelte, wo er den Auftrieb für die ebendort stattfindenden Wettkämpfe am Wochenende (Einzel und Teamspringen am Samstag beziehungsweise Sonntag, jeweils 16 Uhr) mitnehmen kann, sprach aus Stefan Kraft die pure Ratlosigkeit. Er habe "null Flugsystem" und "hänge da oben wie ein Moorhuhn, das nicht getroffen wird". Cheftrainer Andreas Widhölzl wiederum ist vom "Potenzial" der Mannschaft überzeugt, Sportdirektor Mario Stecher hofft auf einen "weiteren Schritt vorwärts" in Richtung Olympia. Und sie alle haben recht. Positiv waren neben Hubers Sieg die Ex-Aequo-Ränge fünf durch Jan Hörl und Manuel Fettner im ersten Bischofshofen-Bewerb sowie einige Leistungen der Jungen wie Daniel Tschofenig. Dennoch sind die Gesamtränge acht und neun durch Hörl und Huber zu wenig für die Ansprüche des Teams, ganz zu schweigen von Platz 26 durch Kraft. An der Vorbereitung oder der Arbeit im Team kann es nicht liegen, immerhin stand Kraft in diesem Winter auch schon einmal ganz oben. Vielmehr sind es die Nuancen wie ein falsch abgespreizter Zeh, die über Sieg oder Niederlage entscheiden können, weswegen sich auch Huber nicht ausruhen darf. "Unsere Sportart ist eine verflixte", weiß er. Anders gesagt: einmal der Gigl, einmal der Gogl. Einmal der Adler, einmal das Moorhuhn.

WZ Tamara Arthofer - © WZ

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