Es sind keine guten Zeiten für schlechte Nachrichten. Und doch muss man wieder einmal eine hinnehmen. Zugegeben - die Sache ist nicht weltbewegend und ohne aktuelle Bewandtnis. Aber ein wenig kränkend ist sie schon, diese Erkenntnis, denn sie verunglimpft einen Schatz der heimischen Vergangenheit.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.

Damit ist nicht etwa Mozart, Sisi oder die Familie Trapp gemeint. Seit 1859 weiß die Forschung, dass Dinosaurier einst in den heimatlichen Wäldern hausten, Echsen von stattlichem Wuchs. Der Struthiosaurus austriacus ragte acht Meter empor und prunkte mit Waffen, die ihn zum Blickfang in jedem Museum adeln würden, nämlich mächtige Zacken am Hals. So weit, so erfreulich. Doch die Wissenschaft brachte nun unliebsame Details ans Licht. So besaß der hiesige Riese die kürzeste Gehörschnecke aller bekannten Saurier-Arten und war deshalb nicht nur schwerhörig, sondern wohl auch ein Einzelgänger. Zudem war sein Flocculus, ein Hirnteil, der für Bewegungen wichtig ist, winzig. Das rotweißrote Urzeitvieh dürfte also ziemlich behäbig dahingetrottet sein. Ein derrischer Schleicher. Eine Lachnummer neben dem Superstar Tyrannosaurus Rex.

Was tun mit dieser Erkenntnis? Ironiebegabte Geister mögen darüber schmunzeln - und einen Urbeweis der Wiener Gemütlichkeit orten. Wem die Dinodenunzierung dagegen nicht passt, darf aufs Netz hoffen. Ist vielleicht nur eine Frage der Zeit, bis auch diese Erkenntnisse bestritten werden und obskure Portale behaupten, die Austro-Echse konnte fliegen. Wenn nicht gar Feuer speien.