WZ Christian Mayr - © Wiener Zeitung

WZ  Christian Mayr

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Marcel Hirscher hat sich also so etwas wie einen (noch fehlenden) Lebenstraum verwirklicht - nämlich die Streif rennmäßig zu bewältigen. Wenn auch "nur" als pensionierter Vorläufer. Dass dem Edeltechniker die Abfahrt aller Abfahrten stets faszinierte und er gerne einmal starten würde, bekannte der Annaberger bereits 2013 in einem Interview mit der "Wiener Zeitung". Den unteren Abschnitt der Streif kannte Hirscher ja bereits von seinen Super-G-Starts für die Kombination, für seine Premiere durfte er damals sogar vorab auf gesperrter Strecke testen. Vor allem, um die Schlüsselstellen - Hausbergkante und Querfahrt (die Kitzbühler sagen nicht: Traverse!) - in den Griff zu bekommen.

Und damit sind wir beim eigentlichen Thema der 82. Hahnenkammrennen. Denn besagte Passagen wurden ja über den Sommer entschärft, um beim tückischen Zielsprung das Tempo im Griff zu haben. Erwartbar war, dass das vielen Fahrern nicht schmeckt - nach Dominik Paris mahnte auch Vorjahres-Doppelsieger Beat Feuz ein, von Klassikern besser die Finger zu lassen. Feuz übersieht dabei, dass es der Horrorsturz seines Landsmanns Urs Kryenbühl war, der die Veranstalter zum Handeln zwang, nachdem sie heftige Kritik einstecken mussten. Auch Feuz hatte sich im Vorfeld über den weiten Zielsprung geärgert, jener Feuz, der vor Jahren am Netz der Querfahrt zerschellt war.

Es allen recht getan, ist eben eine Kunst, die niemand kann. Apropos Finger weg: So wie bei allen Abfahrts-Klassikern waren auch auf der Streif fast überall schon die Bagger im Einsatz - andernfalls wäre sie mit modernem Material gar nicht mehr sicher bewältigbar.