Im März 2020 wurde die Apres-Ski-Bar "Kitzloch" in Ischgl über Nacht europaweit bekannt - im negativen Sinn. Von Italien bis Island gilt das Tiroler Lokal seitdem als die "Corona-Schleuder". Das stimmt freilich nicht - und ist schon gar nicht gerecht, wenn man sich etwa vor Augen hält, dass "nur" 2 Prozent aller Infektionen in der Gastronomie auf den Apres Ski zurückzuführen sind. Dennoch wird dieser Bereich viel strenger kontrolliert als andere, wie die jüngsten Schwerpunktaktionen der Polizei in Kitzbühel und nun in Schladming gezeigt haben.

Dabei ist es aber auch nicht so, dass der Ruf des Apres Ski vor der Pandemie sehr viel besser gewesen wäre. Immerhin kann nicht geleugnet werden, dass das abendliche Feiern in Skischuhen, wie es bisher in vielen Skiorten praktiziert wurde, nicht gerade etwas Gesundes und Notwendiges ist. Schließlich gibt es klügere Wege, nach einem anstrengenden Tag auf der Piste den Abend zu gestalten. Sich bei dröhnender Musik in einer Bar volllaufen zu lassen, gehört eher nicht dazu und war schon immer umstritten.

Noch dazu haben diese Gelage kaum etwas mit der historischen Realität zu tun. In Frankreich, dem Austragungsland der ersten Olympischen Winterspiele 1924, verstand man unter Apres Ski dereinst abendliches geselliges Beisammensein, in der Regel bei gutem Essen und Wein. Wobei der Wein nur als Begleitung gedacht war, wie es bis heute in Südeuropa noch Usus ist. Das, was findige Gastronomen hierzulande daraus gemacht haben - eine Flirtzone für Trinker -, hat mit dem Apres Ski von einst schon lange nichts mehr zu tun, wie etwa Helmut Qualtingers Ode auf den "Apres Schigolo" von 1957 beweist.

So gesehen könnte die Corona-Krise auch eine Chance sein, um den Apres Ski wieder zu dem zu machen, was er einmal war. Es wäre ein Gewinn für die Kultur.