"Die Leute sind sympathisch und brutal nett, sie helfen uns, was geht. Das Essen ist gut, und die Unterkunft passt. Von dem her - also ich bin froh, dass ich da bin", sprach ÖSV-Biathlet Felix Leitner kürzlich in eine ORF-Kamera. Und er hat natürlich recht. "Von dem her" ist ja wirklich alles in Ordnung. Wenn da nicht Corona wäre, wie Kollege Simon Eder meint: "Wenn ich aus dem Fenster rausschaue und sie holen vom Nebengebäude die Kanadier mit der Rettung ab, weil sie positiv sind, dann kriegt man schon ein mulmiges Gefühl."

Das ist also die Realität, in die unsere Olympia-Athleten derzeit in China hineingeworfen sind. Quasi, es wäre ja eh alles happy pepi im Land des Lächelns, wenn nicht bloß das Coronavirus wäre? Dass unter den "sympathischen" Leuten auch Abkommandierte des Regimes sind, die mitunter die Aufgabe haben, die ausländischen Gäste - sofern das nicht eh schon die Videokameras und die App "My2022" erledigen - auf Schritt und Tritt zu überwachen, scheint niemanden zu stören.

Nun kann man Sportlern, denen von Beginn ihrer Karriere an eingetrichtert worden ist, sich politisch nicht zu äußern, nicht einmal einen Vorwurf machen. Andererseits, wer, wenn nicht sie, die in jede Kamera sagen dürfen, was sie bewegt, könnten in einer Diktatur wie der chinesischen zumindest einen Unterschied machen? Leicht ist es natürlich nicht, es gehört schon was dazu, sich vor einem Wettkampf zu exponieren. Ein erster Schritt wäre es aber immerhin, eigene "mulmige Gefühle" nicht nur auf Corona zu beschränken.

Denn als Corona-positiver Athlet von der Rettung geholt zu werden, ist bitter. Als kritischer Bürger außerhalb der Olympia-Blase von der Polizei abgeführt zu werden, ist mitunter tödlich. Denn "brutal nett" ist in China wohl nur eine olympische Kategorie.