Man vergisst ja so schnell. Im Fall von Donald Trump ist ein schlechtes Gedächtnis mitunter auch eine Gnade. Aber manchmal muss man sich doch erinnern. Zum Beispiel, warum genau eigentlich Trump von Twitter "dauerhaft blockiert" wurde. Das passierte Anfang 2021, ein Mob hatte gerade das Kapitol in Washington gestürmt, fünf Polizisten ließen bei diesem gewaltsamen Angriff ihr Leben. Dem waren viele Tweets des noch amtierenden, aber bereits abgewählten Präsidenten vorausgegangen. Er sprach von Wahlbetrug und hetzte seine Anhänger - er hatte immerhin mehr als 87 Millionen Follower - auf. Das führte zum bis dahin beispiellosen Akt: Twitter sperrte einen US-Präsidenten, weil "das Risiko weiterer Anstiftung zur Gewalt" zu groß war.

Trump reagierte, wie Menschen mit dem Verhalten eines Kleinkinds nun einmal reagieren: Er kündigte eine eigene Plattform an. Die geht nun tatsächlich online und heißt "Truth Social". Das passt für jemanden, der der Meinung ist, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben - ungeachtet einer objektiven Wirklichkeit. Letztere spielt freilich schon länger keine Rolle mehr in den immer weiter zersplitterten Sozialen Medien, von Telegram abwärts bleibt man nur noch in den eigenen Kreisen mit den eigenen Meinungen und alternativen Realitäten. In den virtuellen Weiten gibt es sie, die Spaltung der Gesellschaft. Vielleicht sollte einfach jeder eine neue Plattform gründen. Dann hat bald jeder eine eigene und muss endgültig keinem anderen mehr zuhören.