Das vorherrschende Vorurteil ist ja gerne: Nur bornierte, kryptosexistische Boomer sind noch gegen das Gendern in der deutschen Sprache. Oder ewiggestrige Machos. Oder alte weiße Männer. Nun zeigt eine Studie, dass das doch nicht so einfach ist wie im bequemen Schwarzweißdenken. Tatsächlich ist offenbar auch die junge Generation nicht Feuer und Flamme für diese Metamorphose der Sprache. Eine Untersuchung des Kölner Rheingold-Instituts ergab, dass mehr als die Hälfte der 14- bis 35-Jährigen das Gendern ablehnt. Zwar sehen vor allem junge Frauen in geschlechtergerechter Sprache ein wichtiges Signal auf dem Weg zu mehr Gleichberechtigung und einem moderneren Geschlechterverständnis. Und in manchen Situationen wird das Gendern mittlerweile als normal erachtet: "In einem offiziellen Raum, etwa im Job-Kontext, gehört Gendern mittlerweile fast zum guten Ton", sagte Studienleiterin Judith Barbolini.

Die Akzeptanz lässt dort nach - und da wird es den älteren Generationen nicht viel anders gehen als der jungen -, wo das Gendern zu aggressiv und zu strikt durchgesetzt werde. Das größte Problem ist freilich kein ideologisches, sondern ein pragmatisches: Gendern nerve und mache die Sprache kompliziert, heißt es. Solange es dutzende Möglichkeiten für private Rechtschreibregeln gibt - verwendet man nun ein Binnen-I, ein Sternchen oder doch eine andere Markierung für geschlechtsneutrale Bezeichnungen? -, wird sich ein organischer und somit weithin akzeptierter Sprachwandel kaum ergeben.