Das Champions-League-Finale findet nun also nicht wie geplant in St. Petersburg, sondern in Paris statt. Ob das jetzt einen Wladimir Putin beeindruckt, steht freilich auf einem anderen Blatt. Es ist ja nicht so, dass sich der russische Präsident bisher viel aus Fußball gemacht hätte. Eher schlägt sein Herz für Judo und Eishockey, eine Vorliebe, die er im Übrigen mit seinem weißrussischen Alliierten Alexander Lukaschenko teilt. Ja nicht einmal die aufrechte Sperre des russischen Olympiateams infolge der Staatsdopingaffäre hat ihn bisher aus der Ruhe gebracht. Vermutlich sind Sportergebnisse nicht so sexy wie die Berichte des eigenen Generalstabs.

Wenn Putin in seiner 20-jährigen Amtszeit als russischer Premier und Präsident eines gelernt hat, so dies, dass Sport und Politik bisweilen ganz banalen Gesetzen - dem Gesetz des Geldes - folgen. Wie das so funktioniert, hat der Kreml schon ausprobiert und sich Olympia, Fußball-WM, Formel 1 oder Ski-Weltcups einiges kosten lassen. Als Goodie kam immerhin hinzu, dass man weiter auf der Straße Menschen festnehmen oder sogar wenige Tage nach der Olympia-Abschlussfeier im März 2014 in die Krim einmarschieren konnte. Sportgroßveranstaltungen fanden trotzdem weiter statt.

So betrachtet ist die Logik, der Putin folgt, sogar nachvollziehbar, was man von den internationalen Verbänden in Lausanne, Nyon und Co., was ihre Vergabepolitik betrifft, nicht immer behaupten kann. Welche Macht der Welt hat etwa die Uefa, die Formel 1 oder die FIS gezwungen, ihre Spiele beziehungsweise Rennen nach Russland zu vergeben? Weiß man dort nicht, wo die Krim und wer Alexei Nawalny ist? Dass das Finale nun in Paris ausgetragen wird, ist zwar richtig, aber auch irgendwie peinlich. Es wird Zeit, dass auch die "Politiker" in den Sportverbänden dazulernen. Das würde selbst Putin beeindrucken.