Kaum je in einer normalen menschlichen Lebensspanne war der bewusste Umgang mit Medien so wichtig wie in der Gegenwart. Denn kaum je in einer normalen menschlichen Lebensspanne ist die Wahrheit heftiger malträtiert worden als in der Gegenwart.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.

Hat man die "alternativen Fakten" von flacher Erde und Reptiloiden lange Zeit genüsslich belächeln können, bekam man während der Donald-Trump-Präsidentschaft eine Ahnung von einer in alle Richtungen verzerrten Wahrheit.

Und dann kam Corona.

Und jetzt der Krieg gegen die Ukraine.

Und mit einem Mal trifft sich das eine mit dem anderen und geht eine frappierende Verbindung ein.

Da weiß dann beispielsweise manch ein Demonstrant nicht mehr so recht, wogegen und wofür er am Samstag grölend durch Wien zieht. Ist man gegen die abgesagte Impfpflicht? Ist man gegen den Rest der Corona-Maßnahmen, der ohnedies nur noch in Wien besteht und der Hauptstadt die derzeit zweitniedrigste Inzidenz in Österreich beschert? Ist man für eine möglichst umfassende Durchseuchung? Oder ist man für den Angriffskrieg Wladimir Putins gegen die Ukraine, der eigentlich sowieso nicht stattfindet, sondern nur US- und EU-Propaganda ist, um die Ukraine in die Nato zu holen, aber, würde er stattfinden, berechtigt wäre?

Nicht, dass man die Wahrheit über Corona und Putins Krieg nicht mühelos herausfinden könnte. Aber wie mit Menschen umgehen, die sich längst ihre eigene, wahrscheinlich flache, Welt erschaffen haben?