Wenigstens einen Verbündeten hat Moskau noch in westlichen Demokratien: die US-Raumfahrtbehörde Nasa. "Die professionelle Zusammenarbeit zwischen den Astronauten und den Kosmonauten an Bord der ISS sowie zwischen den Kontrollzentren in Houston und in Moskau geht unverändert weiter", sagte deren Chef Bill Nelson.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.

Raumforschungs-Enthusiasten finden das völlig in Ordnung: Den übergeordneten Zielen zuliebe müsse die Kooperation fortgeführt werden. Andernfalls würde auch die nicht-russische Forschung zu große Nachteile erleiden.

Das Argument ist gut nachvollziehbar. Aber es steht auch für eine Doppelmoral. Was die Nasa nämlich der russischen Raumforschung konzediert, gestehen westliche Opern- und Konzertveranstalter russischen Künstlern, sofern sie in Russland und nicht im Westen leben, keinesfalls zu.

Es geht nicht um Putin-Botschafter wie Valery Gergiev oder Anna Netrebko; es geht um Künstler, die keine politischen Ambitionen, sondern nur das Pech haben, eben Russen zu sein, und die deshalb Engagements verlieren, wie etwa der Pianist Alexander Malofeev. Und es geht auch um das Absetzen sogar von russischen Klassikern, weil es derzeit nicht opportun sei, ihre Werke aufzuführen.

Vielleicht wäre ein besseres Augenmaß am Platz - und das hieße nicht, auch die Weltraumforschung einem allumfassenden Russen-Hass zu unterwerfen, sondern russischen Künstlern eine gleiche Nische zu gewähren, zumindest, sofern sie sich nicht als Befürworter Putins geoutet haben.