Während tausende walisische Fans am Donnerstag in Cardiff den 2:1-Sieg ihrer Mannschaft über das ÖFB-Team bejubelten, blieben die Zuschauerränge von Hampden Park in Glasgow an dem Abend leer. Eigentlich hätte hier parallel das WM-Play-off-Halbfinale zwischen Schottland und der Ukraine steigen sollen, weil aber die Gäste den Trainings- und Spielbetrieb kriegsbedingt sistieren mussten, wurde das Spiel mit dem Segen des Welt-Fußballverbandes Fifa auf einen Termin im Juni verschoben.

Das war Anfang März, zu einem Zeitpunkt also, als man noch nicht wissen konnte, wie sich der russisch-ukrainische Konflikt entwickeln würde. Nachdem aber der Krieg noch immer andauert, wird die Frage, ob die Ukraine bis Juni überhaupt eine Elf entsenden kann, immer virulenter. Und das nicht nur für die Schotten und Waliser. Auch die Fifa scheint noch nicht recht zu wissen, was passiert, sollte der Ersatztermin platzen - und das ist nicht gut.

Das Problem ist weniger die Verschiebung als die Auslosung der WM-Vorrundengruppen, die bereits am 1. April erfolgt. Daran nehmen auch die europäischen Finalsieger des Play-offs teil, mit der Einschränkung, dass nun ein Platz leer bleibt, was an sich noch kein Beinbruch ist, zumal auch die interkontinentalen Play-off-Spiele erst im Juni ausgespielt werden. Kommt aber die Partie zwischen Schotten und Ukrainer gar nicht zustande, ist guter Rat teuer. Die Fifa müsste dann die Ukraine wohl disqualifizieren und Schottland gegen Wales ums letzte WM-Ticket rittern lassen.

Das wird nicht gut ankommen, weswegen Kreativität gefragt ist. Tatsächlich wäre eine Teilnahme der Ukraine nicht nur eine nette solidarische Geste, sondern sie würde auch - angesichts ihrer zahlreichen, nach wie vor fitten und hungrigen Legionäre - gewiss einen sportlichen Mehrwert für das Turnier bedeuten.