Ja okay, die Quoten waren nicht mehr die besten zuletzt, aber so weit hätten sie auch wieder nicht gehen müssen. Das hat sich Sonntagnacht möglicherweise so mancher über die Gestalter der Oscar-Gala gedacht. Als nämlich Will Smith auf die Bühne kam, um dem Präsentator Chris Rock eine Watsche zu geben. Dem voraus ging ein Witz, den Komiker Rock auf Kosten von Smiths Frau Jada Pinkett-Smith gemacht hatte. Ihre glänzende Glatze verleitet ihn dazu, zu sagen, er freue sich schon auf die Fortsetzung von "G.I. Jane" - ein Film über eine kahlrasierte Soldatin mit Demi Moore.

Nun hat sich Pinkett-Smith kürzlich in einem Video dazu geäußert, dass ihre "Frisur" kein modischer Einfall ist, sondern aus einer Krankheit, kreisrundem Haarausfall, resultiert. Rock hat das entweder nicht gesehen oder das Lachen im Video von Pinkett-Smith falsch interpretiert oder es war ihm für einen schnellen Gag einfach egal, dass das verletzend sein könnte. Das wäre nicht das erste Mal bei einer Comedy-Nummer der Oscars. Das Publikum muss da meistens einiges einstecken können. Ein Grund für Gewalt ist das noch lange nicht.

Für die Academy war die Optik insgesamt recht unschön: Denn wenige Minuten nach dem Vorfall wurde Will Smith ausgezeichnet. Natürlich nicht für tadelloses Benehmen, sondern für seine Rolle in "King Richard". Die Gelegenheit, sich zu entschuldigen nutzte er nicht. Nur sich zu rechtfertigen: Das seien die Dinge, die man aus Liebe tue.

Nein, sind sie nicht.