Irgendwie schafft es Andreas Gabalier immer wieder, die Gemüter zu erregen. Und er muss nicht einmal selbst etwas sagen. Bei der Bekanntgabe, dass der selbsternannte Volks-Rock‘n‘Roller sein neues Album in Mörbisch vorstellen wird, hat ihn Hans Peter Doskozil als den "österreichischen Bruce Springsteen" bezeichnet. Ein kurioser Vergleich, der Doskozil schnell Häme eingebracht hat. Und ein Lokalverbot in der Disco U4. Gut, der burgenländische Landeshauptmann hätte noch mehr daneben liegen können. Er hätte ihn auch als österreichische Celine Dion bezeichnen können oder als österreichischen Alice Cooper. Was Bruce Springsteen schon ist: ein mitunter missverstandener Künstler. Sein Hit "Born in the USA" wird von vielen als patriotisches Statement gesehen, ist aber eine bitterböse Gesellschaftskritik. Letzteres ist wiederum nicht so die Domäne von Andreas Gabalier. Aber missverstanden fühlt er sich auch oft genug.

Interessant wäre ohnehin die Umkehrfrage: Wer ist eigentlich der amerikanische Andreas Gabalier? Wer der amerikanische Rainhard Fendrich? Wer die amerikanische Conchita Wurst? Immerhin das U4 zeigte sich versöhnlich, Doskozil darf doch wieder rein, er darf sogar auflegen. Er könnte sogar ein Musikstück mitbringen, das seinen Namen trägt. Das könnte übrigens Springsteen auch - allerdings kein so munteres wie den "Hans Peter Doskozil Marsch". Dafür müsste Springsteen erst eine Militärkapelle retten. Also, wer ist hier der Boss?