Zwei Jahre lang Corona-frei - und plötzlich streckt einen von heute auf morgen ein Virus nieder. Doch ist es nicht Sars-CoV-2, das als Ursache ausgemacht werden kann, sondern ein Ungetüm namens H3N2. Die Grippe dreht derzeit ihre Runden, noch dazu ein aggressiver A-Stamm, der auch vor Menschen nicht Halt macht, die seit vielen Jahren nicht mehr Wirt waren. Alleine schon die Symptome sind so eindeutig, dass man den alten Bekannten aber auch nach so langer Zeit sofort wiedererkennt.

Seit Beginn der Corona-Pandemie war die Grippe vom Erdboden nahezu verschwunden. Die Covid-19-Maßnahmen dürften die Ausbreitung der Influenza verhindert haben. Doch keine guten ohne schlechte Seiten. Denn der fehlende Kontakt mit dem Grippevirus hat auch den Immunschutz dagegen aufgeweicht. Kommt das Immunsystem nicht regelmäßig mit einem Krankheitserreger in Kontakt, bleibt der Infektionsschutz in der Regel nicht aufrecht beziehungsweise kann er erst gar nicht aufgebaut werden.

Die Leidtragenden könnten vor allem die Kinder sein - also jene Gruppe, an der Covid-19 am harmlosesten vorübergeht. So war etwa ein sechsjähriges Kind ein Drittel seines Lebens nicht mit Grippeviren in Kontakt; heute Zweijährige - man rechne - 100 Prozent. Bei Kindern wurden im Herbst schon die RS-Viren zum Problem. Und auch die Influenza A scheint die Generationenreihung praktisch auf den Kopf zu stellen. Möge das glimpflich vorübergehen. Denn auch die Grippe ist kein Spaß.