WZ Christian Mayr - © Wiener Zeitung

WZ  Christian Mayr

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Keiner ist in einer europäischen Top-Liga engagiert, keiner reüssiert in Premier League oder deutscher Bundesliga, und von glanzvollen Auftritten im Europacup sind Österreichs Trainer so weit entfernt wie die Nationalelf vom Weltmeistertitel. Die hiesigen Fußballlehrer sind sogar so inferior, dass das ÖFB-Team seit mehr als zehn Jahren von Nicht-Österreichern betreut werden muss. Aber Sarkasmus beiseite. Denn während die österreichische Trainerausbildung mit den Protagonisten Oliver Glasner, Adi Hütter, Ralph Hasenhüttl und Co. einen Höhenflug wie nie zuvor in der Geschichte erlebt, ist die am Freitag verkündete Teamchef-Bestellung eine gewaltige Ohrfeige. Nach dem Schweizer Marcel Koller und dem Deutschen Franco Foda übernimmt erneut ein Deutscher (Ralf Rangnick) das prestigeträchtigste Amt in Fußball-Österreich. Auch wenn Sportdirektor Peter Schöttel zugab, eine rot-weiß-rote Lösung favorisiert zu haben, aber leider, leider Rangnick wider Erwarten doch zusagte, bleibt ein schaler Beigeschmack.

Es geht weniger um Patriotismus oder Chauvinismus, wenn man das mangelnde Vertrauen der ÖFB-Oberen in Peter Stöger oder Andreas Herzog kritisiert; vielmehr fehlte bei der Präsentation der Hinweis, warum denn Rangnick tatsächlich die bessere Wahl für Österreichs Team ist. Außer vielen Floskeln - von wegen "Strahlkraft", "einmalige Chance", "Trainer von diesem Format" und natürlich "Manchester United" - war nicht viel zu hören. Der 63-Jährige wird erst beweisen müssen, dass er mehr kann, als nur eine alternde Kultfigur des Pressing-Fußballs zu sein. Und vor allem muss er beweisen, dass er in seiner ersten Nationalteam-Station besser ist als jene heimischen Kandidaten, die das Teamchef-Amt definitiv als Karrierehöhepunkt statt als Gleiten in die Pension per Nebenjob ansehen.