Selten hat sich so deutlich wie diese Woche gezeigt, dass Kleider eben keine Leute machen. Und das noch dazu beim großen Modeschaulaufen der Met Gala in New York. Die ist so eine Art Mottoparty für die Reichen und Schönen, diesmal stand sie unter dem Titel "Gilded Age". Diesen Begriff hat Mark Twain für die wirtschaftliche Aufschwungzeit der USA zwischen Sezessionskrieg und Erstem Weltkrieg geprägt. "Gilded", also vergoldet, deswegen, weil der plötzliche Prunk nur einer Elite vorbehalten war und Armut und Korruption groß waren. Oberflächlich glänzend, aber sonst nicht viel dahinter - da kommt jetzt Reality-Star Kim Kardashian ins Spiel.

Die nahm - wie ein Großteil der Besucher übrigens - das Motto als Empfehlung und kam im berühmten Nude-Kleid, das Marilyn Monroe getragen hat, als sie John F. Kennedy ein verruchtes "Happy Birthday", ja, man muss sagen: vorgestöhnt hat. Der Vergleich macht sicher: Dank Kardashians Auftritt hat man nun ein klares Bild vom Unterschied zwischen wahrem Glamour und Plastikruhm.

Ganz anders Schauspielerin Blake Lively. Ihr kupferfarbenes Versace-Kleid wurde auf der Roten-Teppich-Treppe wirkungsvoll in ein türkises mit Kupferdetails umgebaut. Es sollte an die Freiheitsstatue erinnern, die genau in jener "Gilded" Ära eingeweiht wurde. Der Farbwechsel ist ein Hinweis auf den Oxidationsprozess. Ein Kleidungsstück, das eine Geschichte erzählt - das ist Kunst. Den Nimbus einer Legende stehlen zu wollen, ist nur billig.