WZ Christian Mayr - © Wiener Zeitung

WZ  Christian Mayr

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Das vergangene Grand-Prix-Wochenende in Miami hätte sicher lohnendere Diskussionen befeuern können als jene über Unterhosen und Schmuck - etwa, ob die eigentliche Zukunft der Formel 1 nicht in Übersee (statt weiterhin in Diktaturen) liegen müsste. Aber die Herren Lewis Hamilton und Sebastian Vettel haben mit ihren Aussagen und Aktionen den Spin vorgegeben.

Sukkus: Böse, böse Formel-1-Macher - ihr zwingt uns allen Ernstes, bestimmten Körperschmuck nicht mehr und bestimmte Unterwäsche sehr wohl zu tragen! Geht’s noch? Und eilfertig war das F-Wort proklamiert - nämlich: "Freiheit!" Da jedweder Profisport, erst recht eine Hightech-Hochrisiko-Angelegenheit wie der Motorsport, gewissen strengen Grundsätzen unterliegen muss, ist das "Freiheit!"-Geschwurbel hier wirklich deplatziert. Gerade Hamilton müsste es wissen: Er und Kollegen haben sich lange gegen den Halo über dem Cockpit gewehrt - ohne diesen Schutzring wäre der Brite jedoch im Vorjahr in Budapest wohl gestorben. Auch metallische Gegenstände am Körper können bei Feuer-Crashes verheerende Folgen für die Piloten haben. Das scheint jedem Laien genauso einleuchtend wie die Sinnhaftigkeit von feuerfester Unterwäsche. Ausnahmeregelungen - etwa für Schmuck - gibt es auch im Fußball nicht, da werden Uhren, Ketterl, Ringe etc. ohne Tamtam abgenommen. Schon bei Kindern.

Vielleicht steckt ja auch etwas ganz anderes hinter dem Protest: Der vierfache Weltmeister Vettel sorgt mit seinem Schlabber-Look heuer für mehr Aufsehen als mit seinem hinterhergurkenden Aston Martin. Vielleicht wird es für ihn Zeit, Lenkrad und CO2-intensives Jetset-Leben mit dem Öko-Dandy-Dasein zu tauschen. Und auch Rekordchamp Hamilton ist neuerdings weit davon entfernt, sportliche (Positiv-)Schlagzeilen zu liefern. Mit seinem Bling-Bling-Faible hat er sich zumindest dort zurückgemeldet.