Das Standesamt im Rathaus der Stadt Frankfurt, genannt Römer, hat im Wonnemonat Mai viel zu tun. Allein für Donnerstag, den 19. Mai, sind neun Hochzeiten angesetzt - das heißt, sie waren es, denn sie wurden abgesagt. Und Schuld trägt der Fußball. Der lokale Bundesliga-Klub Eintracht Frankfurt könnte nämlich, ließ die stellvertretende Amtsleiterin verlauten, bei dem am Vorabend in Sevilla angesetzten Finalspiel der Europa League den ersten Titel seit 1980 in die Stadt am Main holen, was wiederum zur Folge hätte, dass auf dem Platz vor dem Römer am Tag danach die Hölle los wäre. Und das könne sie den Paaren nicht zumuten.

Für die Standesbeamten und die dann in Feierlaune befindlichen (und wohl nicht mehr ganz nüchternen) Fußballfans mag diese Lösung ganz praktisch sein, für die betroffenen Brautpaare ist sie es aber bestimmt nicht. Jeder, der schon einmal eine Hochzeit geplant hat, weiß um die Mühen, die damit verbunden sind - bei den Einladungen angefangen über das Hochzeitsfotoshooting bis hin zu Musik und Catering. Und das alles müssen die Paare nun wegen eines Fußballspiels verschieben? Dass das nicht alle - allen voran die Damen - lustig finden, ist klar. Noch dazu, wo Frankfurt nicht einmal als Sieger feststeht. Denn sollte der Klub verlieren, ist die Party abgesagt - aber der Schaden bleibt.

Gewiss ist es wenig erquicklich, sich das Ja-Wort vor der Kulisse grölender Fans zu geben, wie schon der Tag nach dem Sieg der Eintracht im Halbfinale über West Ham gezeigt hat. Aber erstens hätte das Rathaus den Paaren die Wahl lassen können, ob sie trotz der Fangesänge im Hintergrund heiraten möchten. Und zweitens hätte man alternative, ruhigere Trauungsorte anbieten können. Stattdessen hat man sich für den Rauswurf entschieden - und Zwietracht statt Eintracht gesät.