"Die Kultur des Schweigens" müsse endlich gebrochen werden, darüber war man sich in der vergangenen Woche einig. Das ergab ein Rundruf der "Wiener Zeitung" in der österreichischen Filmszene, die - mit einigen Jahren Verspätung - nun auch mit ihrem MeToo-Skandal konfrontiert ist. Nur eine Institution gab sich auch weiterhin der "Kultur des Schweigens" hin. Die Wiener Filmakademie, die immer wieder in Verbindung mit einschlägigen Vorfällen genannt wurde. Das Leitungsteam Danny Krausz und Oliver Kunz war aber offenbar nicht nur gegenüber Journalistenanfragen auf Tauchstation, sondern auch gegenüber Studierenden. Denen ist nun nämlich der Kragen geplatzt: Die Studierendenvertretung hat laut einem Bericht im "Standard" in einer Stellungnahme beklagt, dass Danny Krausz und Oliver Kunz das Thema offenbar aussitzen wollen, ohne "vehementes Nachfragen" wäre es einfach abgehakt worden. Die Studenten und Studentinnen fordern nun, dass Namen genannt werden - jener eines langjährigen Institutsleiters wurde schon publik. Ohne konkret zu werden, sei eine Aufarbeitung nicht möglich.

Tatsächlich wirkt die - freundlich gesagt - Zurückhaltung der Filmakademie-Leitung befremdlich. Man weiß aus früheren MeToo-Debatten, dass solche Vorwürfe nie plötzlich kommen, dass sie ganz im Gegenteil seit Jahren schwelen. Wenn man hier schon nicht früher eingegriffen hat, hätte man sich zumindest ein glaubwürdiges Krisenmanagement überlegen können.