Eine Waffe ist normalerweise nicht unbedingt als Symbol für eine friedliche Koexistenz zu sehen. So etwas behauptet üblicherweise bestenfalls die National Rifle Organisation in Texas. Nach dem Motto: Erst wenn jeder eine Knarre hat, ist alles gut. Dennoch ist Wien jetzt um eine Waffe reicher. Denn eine Friedensbotschaft in Form eines überlebensgroßen Revolvers in einem Käfig ist auf dem Albertina-Flugdach gelandet.

Auf den zehn Meter langen Praterwal, der vergangene Woche ins Wien Museum gehievt wurde, folgt also die nächste Skulptur, deren Transport einen Kran erforderte. Mit "Imagine" wolle man darauf aufmerksam machen, "dass Gewalt in jeglicher Form begrenzt werden, in ihre Schranken verwiesen werden muss", erklärte Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder.

Das nach John Lennons Song benannte, fast drei Meter hohe Kunstobjekt wurde vom 2018 verstorbenen kroatischen Konzeptkünstler Vladimir Dodig Trokut geschaffen. Das Anti-Gewalt-Statement beziehe sich nicht nur auf Krieg, sondern auf das "Thema individueller Gewalt und des privaten Waffenbesitzes, der in den USA eskaliert", so Schröder. Die Albertina sei ein "Ort der Auseinandersetzung" und zeige auf, "was Kunst zu brisanten Fragen beizutragen hat".

Kunst im öffentlichen Raum ist immer eine Chance. Sie ermöglicht die Kommunikation mit Menschen, die gar nicht erst hineingehen. Bleibt nur zu hoffen, dass Schröder eine Waffenbesitzkarte beantragt hat.