Ein Kommentar auf Facebook: "Ich möchte wissen, was WIRKLICH zu dem Suizid geführt hat."

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.

So, genau so, beginnen Verschwörungstheorien. Der Zweck ist ganz einfach: verwässern, ablenken, Schuld weg- und anderen zuweisen.

Natürlich sind Fehler gemacht worden, und sie müssen akribisch aufgearbeitet werden. Die Ursache für den Suizid der Ärztin aber ist klar: eine Hetze, begonnen in den Sozialen Medien, die sich wieder einmal als asoziale Plattform herausgestellt haben. Es juckt in den Fingern, "beispiellose Hetze" zu schreiben. Nur verbietet sich das. Denn diese Hetze ist keineswegs beispiellos. Die verbale Gewalt ist nahezu schon Alltag. Echauffierte man sich in den Sozialen Medien vor allem bisher über Migranten, haben die Corona-Maßnahmen und speziell die Impfung dann alle ohnedies schon baufälligen Dämme der Vernunft endgültig eingerissen. Es gibt nur einige wenige, die ihre Ablehnung der Impfung ruhig argumentieren.

In der Regel brechen über Befürworter der Impfung indessen Shitstorms herein mit Ausdrücken, die sich der Wiedergabe, und Bedrohungen, die sich der Beschreibung verweigern.

Spätestens ab jetzt aber kann niemand mehr behaupten, er habe nichts gewusst und die Folgen nicht abschätzen können. Die Sozialen Medien sind kein Freiraum, in dem man beliebig Beleidigungen und Bedrohungen absondern darf. Verbale Gewalt ist Gewalt. Wer sich ihr weiterhin verschreibt, ist kein Diskutant.

Er ist ein Täter.