"Ihre Sorgen möchten wir haben", lautet der Werbeslogan einer heimischen Versicherung. Man kann daran angesichts der jüngsten Anekdote aus dem Leben von Taylor Swift denken. Die Popsängerin und Bestsellerin der Branche hat eine Konzerttour vorbereiten lassen; beim Start des Kartenverkaufs gab’s in der Vorwoche jedoch Brösel. Entgegen der Versicherung, der Anfrage Herr zu werden, knickte der Kartenanbieter Ticketmaster unter dem Ansturm ein, und zwar bereits im Rahmen eines begrenzten Vorverkaufs: Die Server kollabierten, manche User mussten sich stundenlang im Web gedulden. Die Folge: Der allgemeine Vorverkauf wurde vorerst abgesagt, die US-Sängerin zeigte sich verärgert. Zwar sei sie froh, dass im Rahmen des Chaos zumindest 2,4 Millionen Menschen Karten erhielten. Es ärgere sie aber, dass etliche Fans dabei gefühltermaßen "mehrere Bärenangriffe überstanden" hätten.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.

Nun mag man sich fragen, ob eine Wartezeit im Netz tatsächlich mit einer Tierattacke vergleichbar ist. Was an der Geschichte aber vor allem ins Auge springt, ist die Ironie: Dass Swifts Anziehungskraft offenbar zu groß geworden ist für die Organisation einer Tour - und dass die Segnungen des digitalen Zeitalters ihr nicht aus der Bredouille helfen. Aus Swifts Warte ist das tatsächlich bitter.

Für den Rest der Welt ist dies aber natürlich eine Luxusnot aus der Kategorie "Ihre Sorgen möchten wir haben" - nicht zuletzt für Wiens Kulturtempel, denen ein Publikumsschwund hässliche Löcher in die Säle reißt.