Argentinien verliert gegen Saudi-Arabien 1:2, detto Deutschland gegen Underdog Japan. Auch dass sich der Weltranglistenzweite Belgien Mittwochabend zu einem glücklichen 1:0 gegen die Puck- und nicht gerade Fußballnation Kanada mühte, passt ins Bild. Überhaupt war das Kanada-Spiel eines der unterhaltsamsten bei dieser WM. Denn wenn selbst die eigene Ehefrau, die mit Fußball sonst nicht viel am Hut hat, vor Begeisterung die Fernbedienung ruhen lässt, so will das etwas heißen. Dass die Canucks gegen die Belgier leer ausgingen, war fast tragisch, aber was nützt es, wenn man Chance und Chance, darunter einen aufgelegten Elfer, vergibt?

Klar ist: So fad und lustlos, wie manche Kommentatoren tun, ist diese WM in Katar gar nicht. Von den Spielen zwischen Senegal und Niederlande (0:2) sowie Polen und Mexiko (0:0) abgesehen, bot bisher noch jedes Spiel ganz ordentliche Unterhaltung. Dafür muss nicht unbedingt eine als Favorit gehandelte Mannschaft auf dem Rasen versagen. Es genügt schon, wenn dieselbe, wie zum Beispiel das Spiel Frankreich versus Australien gezeigt hat, früh ins Hintertreffen geraten. Vor diesem Hintergrund hatte auch der 1:0-Treffer des US-Fußballers Timothy Weah - Sohn des liberianischen Ex-Stars und nunmehrigen Staatschefs George Weah - emotional seinen Reiz. Dass sich die Waliser mit Superstar Gareth Bale noch bis zum Ausgleich in Minute 82 mit den Amerikanern herumg’fretten mussten, irgendwie auch. Den Dänen erging es in der Hinsicht nicht viel besser. Dass die Partie gegen Tunesien torlos blieb, war vielleicht nicht sexy, aber doch eine kleine Sensation.

Die Tore schossen und schießen eh andere. So wie zum Beispiel England, das den Iran 6:2 schlug. Oder Spanien, das am Mittwoch mit einem seltenen, fulminanten 7:0-Kantersieg gegen Costa Rica nationale WM-Geschichte schrieb.
So betrachtet kann sich die sportliche Leistung der Kicker sehen lassen, und es ist schade zu beobachten, dass diese Leistungen im Getöse rund um ein Schleifentrageverbot fast untergehen. So wurde der Sieg der Japaner über die Deutschen gewürdigt, dominiert hat in den Gazetten aber ein anderes Bild - das Gruppenfoto des DFB-Teams, auf dem sich die Kicker den Mund zuhalten. Die Geste sollte wohl dazu dienen, erzürnte Sponsoren zu besänftigen. Mit Fußball hatte sie aber wenig zu tun.

Angesichts der Gemengenlage aus sportlicher Unterhaltung und politischer Debatte wird man wohl feststellen müssen, dass Katar 2022 als alles andere als fade WM in die Fußballgeschichte eingehen wird - im Gegenteil. Triumphe und Tragödien auf dem Rasen hat es immer bei großen Turnieren gegeben, eine derart unerbittliche Diskussion rund um LGBTQ- und Menschenrechte oder die Allmacht der Fifa aber noch nie. Auch die Tatsache, dass diese WM durch Korruption zustande kam und zum ersten Mal in einem arabischen Land - mitten im Advent - ausgetragen wird, sucht historisch ihresgleichen.

Nur, weil etwas nicht so läuft, wie es laufen soll, muss das aber nicht bedeuten, dass es schlecht ist. Ausschlaggebend wird sein, ob der Fußball aus der Erfahrung in Katar eine Lehre zieht und sich richtig weiterentwickelt. Einen Fehler sollte man nicht zwei Mal machen. Das gilt übrigens auch für so manches WM-Team.