Diese Woche musste sich das Modehaus Balenciaga entschuldigen. Für Fotos einer Kampagne, auf denen ein Kind zu sehen ist, das einen Teddy in sexualisierter Leder-Ketten-Fesselung hält. Und auf einem Bild wurde ein Gerichtsdokument zu einem Kinderporno-Fall gefunden. Geschmacklosigkeit ist in der Mode-PR keine Seltenheit, hier hat man eindeutig eine Grenze überschritten.

Interessant und auch etwas beängstigend sind freilich die weiterführenden Analysen, die etwa auf Twitter nun weitergereicht werden. Da werden die Fotos in allen Details inspiziert und satanistisch-pädophile Symbole gefunden. Weil ein Werk von Matthew Barney, Ex-Mann von Björk und surrealer Videokünstler, da auftaucht, gerät er unversehens in eine einschlägige Verdachtsecke. Die Instagrambeiträge einer Stylistin, die mutmaßlich die Fotos ausgestattet hat, und die ihrer Follower werden untersucht und einfach alle Bilder mit Gewalt- und Kannibalismusanspielungen als Beweis für ihre Verdorbenheit herangezogen. Oft fehlt der Hinweis oder wohl das Wissen, dass es sich etwa um Goyas "Saturn verschlingt seinen Sohn" handelt. Künstler von Marina Abramovic bis Maurizio Cattelan werden so in einen Abgrund gezogen, weil man ihre Kunst zum einen nur oberflächlich betrachtet und zum anderen nicht versteht, dass Kunst etwas verarbeitet und nicht zuvorderst ein niederes Verlangen der Künstler stillt. Geht man den Weg dieser "Analysen" konsequent weiter, landet man schnell bei QAnon-Elite-Verschwörungstheorien. Ein verblüffender Mechanismus. Aber auch ein gefährlicher.