Vor wenigen Tagen hat ein Politiker einem anderen Politiker beschieden, in Wien grüße man nicht mit "Grüß Gott", sondern mit "Guten Tag". Das ist natürlich unrichtig, das weiß doch jeder. Zumindest jeder, den nicht überrascht hat, dass kürzlich wieder einmal Wien zur unfreundlichsten Stadt der Welt gewählt worden ist.

Da kann man sich einen "GUTEN Tag" natürlich gepflegt an den Hut stecken. Hier beginnt ein "GUTER Tag" nämlich mitunter mit einem herzlichen "Hearst!" - und das ist noch die höfliche Variante, im Vergleich zur auch sehr gebräuchlichen Grußformel "Hearst, Gschissena!" Eins muss man dem Wiener schon auch lassen. Er/Sie mag unfreundlich sein, aber die Zeit, einen Gruß zu verwenden, den man im Fall des Falles auch noch gendern muss ("Hearst, Gschissene!"), die nimmt er/sie sich.

Allein in der U-Bahn und den zugehörigen Stationen gibt es ein umfassendes Begrüßungsvokabular: Ein knackiges "Foisch!", wenn wieder jemand links auf der Rolltreppe steht, ein gezischtes "Weiter!", wenn wieder niemand ins Zuginnere weitergeht, und ein empathisches "Aufpassen!", wenn einer auf die Gleise stolpert.

Das Wienerische kennt aber auch den wahrscheinlich ökonomischsten Gruß überhaupt, er besteht aus einem nuanciert gefragten: "No?" Die Antwort darauf ist im Idealfall ein sanft balanciertes: "Eh." Und das Gespräch ist damit auch schon eingehend geführt und abgeschlossen.

Da haben andere gerade einmal "Guten Tag" gesagt.