Nein, es geht hier nicht ums Skifahren, obwohl dort die Disziplin des parallelen Parallelschwingens ein steter Quell für Diskussionen und Abschaffungsideen ist. Doch während es bei der Ski-WM im Februar ebendiese weiterhin geben wird, hat sich das parallele Kicken mit der WM in Katar erledigt. Und damit sind wir endlich in medias res.

WZ Christian Mayr - © Wiener Zeitung

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Denn wer nicht zu den wirklichen Fußball-Insidern zählt, die gerne in Zukunft und Vergangenheit des Sports blicken, wird es vielleicht noch gar nicht erfasst haben. Und also noch gar nicht fassen können, dass just das spannendste Element einer WM-Vorrunde - im Wüstenemirat diesmal ganz besonders drastisch vor Augen geführt - künftig abgeschafft ist. Denn in nahezu allen acht Gruppen kam es in den finalen Parallelspielen zu nervenzerfetztenden und überraschenden Positionswechseln, die beinahe alle Teams betroffen, jedenfalls alle Fans entzückt haben. Das drei Minute währende virtuelle Aus von Spanien etwa, oder das entscheidende Tor von Südkorea gegen Portugal in der Überspielzeit. Dramatik pur dank parallel angesetzter Spiele. Ein Element, das zur WM gehört wie Maskottchen, Ball und Hymnen. Und doch in Katar das vorerst letzte Mal zu sehen gewesen sein dürfte. 2026 soll es ja bei der ersten XXL-WM in den USA, Kanada und Mexiko 48 Teilnehmer geben - und zwar aufgeteilt auf 16 Gruppen. Wer gut rechnen kann, erkennt: Es sind nicht mehr Vierer-, sondern Dreiergruppen. Damit gibt es also nur noch drei statt sechs Vorrundenpartien pro Gruppe und logischerweise keine Parallel-Duelle am Ende.

Doch dieser Fifa-Plan, einst federführend von Präsident Gianni Infantino forciert (um sich die Gunst vieler kleinerer Verbände mit dann mehr Teilnahmechancen zu sichern), hat neben dem dann abgeschafften Spannungselement eine weitere gravierendere Tücke. Stichwort "Schande von Gijon". Seit dem abgesprochenen Gruppenspiel zwischen der BRD und Österreich (1:0) anno 1982, die sich so beide den Aufstieg sicherten, müssen die jeweils letzten Gruppenspiele immer zur selben Zeit angepfiffen werden. Rückt man davon ab, droht just am höchstsensiblen US-Soccer-Markt ein ähnlicher Skandal - und sei es nur, weil es sich für zwei Mannschaften eben aus dem Spielverlauf heraus so ergibt. Dem Ganzen per Elferschießen in der Gruppenphase zu entkommen, es also nur noch Sieger geben soll - wie von Infantino einmal artikuliert -, wäre aber ein zu massiver Eingriff in den Sport. Daher wurde jetzt in Katar, vielleicht unter dem Eindruck dieser Parallel-Thriller, ein anderer Modus intensiv diskutiert: Demnach könnten die 48 Teams auf 12 Vierergruppen aufgeteilt werden, wobei auch die 8 besten Dritten in ein Sechzehntelfinale kämen.

Dadurch würde sich die Anzahl der Spiele übrigens auf 104 erhöhen - um 24 mehr als bei der ursprünglichen Dreier-Variante; und um gleich 40 mehr als aktuell in Katar. Ob sich dann die Endrunde auf sechs Wochen verlängern und/oder es sechs Matches pro Tag geben wird (schon vier wie in Katar sind eigentlich nicht konsumierbar!), ist unbekannt. Bekannt ist hingegen, dass der Fußball mit dieser Strategie (wieder einmal) wie eine Zitrone ausgequetscht wird. Obwohl das ideale WM-Format längst erfunden ist: 32 Teams, 8 Gruppen, 16 Aufsteiger. Nach 8 mal 2Parallel-Matches.