Martin Kušej reicht’s. Der amtierende Burgtheater-Direktor will über 2024 hinaus nicht mehr für die Geschicke von Burg- und Akademietheater verantwortlich sein. Durch den langwierigen Entscheidungsprozess sei das Haus "in eine unsägliche Situation manövriert" worden, hieß es am Dienstag in einem Presse-Statement. Tatsächlich wurde seit Monaten über die Neubesetzung des Top-Jobs spekuliert. Nun kam Kušejs Rückzug genau einen Tag vor der Bekanntgabe seiner Nachfolge. Elegant ist das nicht unbedingt.

Wer wäre denn die richtige Person für das Burgtheater?

Die vergangenen Jahre verliefen für die Bühne turbulent: 2013 erschütterte ein Finanzskandal das Haus, samt Entlassungen und einem jahrelangen Rechtsstreit. Dann kam die Pandemie mit Schließungen und dramatischen Auflagen, derzeit laboriert die Burg an Zuschauerschwund. Die nun rasch aufeinanderfolgenden Direktionswechsel sind auch nicht gerade stabilisierend.

Die neue Führungspersönlichkeit sollte jedenfalls neben künstlerischer Expertise vor allem einen teamorientierten Arbeitsstil pflegen. Kušej wurde nämlich ein mitunter chaotischer und autoritärer Führungsstil nachgesagt. Die Fluktuation im Haus war vergleichsweise hoch, selbst in seinem engsten Mitarbeiterkreis. Immerhin etwas Gutes hat das Ganze: Egal, wer 2024 ins Direktionsbüro einzieht, er oder sie wird einen gänzlich andern Umgangston an den Tag legen.

Die Tage von cholerischen Chefs sind gezählt.