Die Entscheidung ist gefallen. Eine Frau ist es nicht geworden. Das mag als erste Reaktion auf die Bestellung eines neuen Burgtheater-Direktors vielleicht kleinlich erscheinen. Ist es aber nicht. Denn es hätte dem Burgtheater - so wie so vielen anderen Institutionen und Unternehmen - trefflich gut getan, eine Frau an der Spitze zu haben. Und so auch ein gesellschaftliches Vorbild abzugeben, das weibliche Chefs weiter normalisiert. Das ist nicht gelungen, auch wenn es angeblich Staatssekretärin Andrea Mayer ein großes Anliegen war.

Es ist nicht so, dass es keine Frauen gäbe, die genauso gut geeignet wären für diesen Job wie Stefan Bachmann. Es gibt sogar einige. Aber sie waren entweder nicht interessiert oder wurden nie angefragt. Letzteres wäre ein eher trauriges Versäumnis der Kulturpolitik. Ersteres sollte Mayer allerdings noch viel mehr zu denken geben. Denn wenn es nun schon so ist, dass der Posten der Burgtheater-Intendanz für hochkarätige weibliche Kulturmanager nicht attraktiv genug ist, dann läuft hier etwas gewaltig schief.

Der neue Direktor hat einige Herausforderungen vor sich. Energiekrise und Publikumsschwund sind da nur die größten Brocken. Auch im Ensemble soll, glaubt man Gerüchten, die Stimmung durch Martin Kušejs Führungsstil nicht gut sein. Auch Bachmann hatte schon mit Mobbing-Vorwürfen zu kämpfen, als er in Köln zusammen mit seiner Frau arbeitete. Er ist gut beraten, diese Konstellation und mögliche Interessenkonflikte diesmal zu vermeiden.