Man stelle sich vor, die Volksoper Wien verlöre die Hälfte ihrer Subventionen und müsste dann auch noch aus der Hauptstadt fortziehen, um überhaupt noch staatliches Geld zu erhalten.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.

Gottlob droht ein solches Szenario weder der Volksoper noch einem anderen heimischen Haus. Es sorgt aber in London für Schlagzeilen und gefährdet die Existenz der English National Opera, der führenden Bühne neben dem Royal Opera House von Covent Garden. Das nationale Kulturgremium, der Arts Council, hat im Herbst die befremdliche Entscheidung gefällt. Im Hintergrund stehen zwei Faktoren: Zum einen fährt die Regierung ihre Kultursubventionen massiv herunter, manch ein Prestigehaus wird gar auf null gesetzt. Zum anderen - und davon unabhängig - zeigt sich die Politik in einer Vergleichsfrage um Gerechtigkeit bemüht: Es sollen künftig mehr Kulturgelder als bisher außerhalb Londons landen. Darum also soll die ENO aus der Stadt fortziehen. Vielleicht ja ins bisher opernhauslose Manchester, hat ihr der Arts Council als Tipp mitgegeben.

Nun ist das Ansinnen natürlich löblich, mehr Opernfreuden außerhalb Londons zu befördern. Im konkreten Fall läuft es aber auf die Demontage eines - zuletzt mittels Petitionen und Demonstrationen verteidigten, ja selbst- vom Arts Council gelobten - Hauses hinaus. Entweder ist dies das Werk einer unfähigen Politik. Oder - wie dies immer wieder geschieht, wenn ein Kulturgut verschwinden soll - es ist ein Sabotage-Akt hinter der Fassade der "guten Absichten".