Alle haben es gewusst. Keiner hat das ahnen können. Zwischen diesen beiden Polen wabert die Nachbetrachtung eines nachgerade unerträglichen Skandals, den die österreichische Kulturbranche seit Freitag schwarz auf weiß mit Namensnennung zu verdauen hat. Der Schauspieler Florian Teichtmeister, der sich vor Gericht dafür verantworten wird, 58.000 Dateien mit kinderpornografischen Darstellungen besessen zu haben, war sehr umtriebig. Er war nicht nur Burgtheater-Ensemblemitglied, er war auch gern gebucht im österreichischen Filmwesen und er hatte sich auch als TV-Schauspieler beim ORF etabliert. Er war also praktisch überall tätig, wo man in Österreich als Schauspieler tätig sein kann. Seine Kollegenschaft ist also dementsprechend groß. In den Sozialen Medien geht es zur Sache, ohne Vorwurf geht derzeit keiner heim. Wer hat etwas gewusst und nichts gesagt/getan? Wer hat nichts gewusst und glaubt jetzt allen Ernstes, dass man ihm/ihr das abkauft? Weil: ALLE haben es gewusst! Mal abgesehen davon, dass Letzteres eine gar traurige Bestandsaufnahme der Moral der Branche wäre, ist das eine verquere Logik. Denn natürlich ist es immer möglich, dass man nichts davon gewusst hat. Es ist auch möglich, dass man sich von jemandem täuschen lässt. Zumal es sich ja sogar um jemanden gehandelt hat, der das beruflich macht. Das ist für den Getäuschten bitter, aber noch nicht unbedingt verwerflich.

Dass das nicht in vollem Umfang für seine Arbeitgeber gilt, das ist freilich eine andere Seite der Medaille.