Nur ein Gedankenexperiment: Man stelle sich vor, man wacht in der Nacht auf, weil es so hell ist. Auf dem Handy ist es 2:34. Wieso ist es draußen so hell? Man schaut beim Fenster hinaus. Da steht die Sonne am Himmel.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.

Und sie geht nicht mehr unter.

Nie wieder.

Empfindet man das als großartig, weil endlich die blöde Nacht weg ist? Oder dreht man durch, weil die Tatsache das Fassungsvermögen übersteigt und eine tagaus-tagein scheinende Sonne die innere Uhr aus dem Takt bringt?

Im heurigen Winter erlebt die Natur Mitteleuropas etwas Ähnliches: Flora und Fauna haben sich in den zurückliegenden Jahrtausenden auf frostige Winter und moderat heiße Sommer eingestellt. Solch warme, schneelose und trockene Winter sind eine Katastrophe: Winterschläfer verlieren durch zu häufiges Aufwachen Energie; Tiere, deren Fell oder Gefieder sich dem Weiß des Schnees anpasst, werden auf den grün-braunen Böden zur leichten Beute für Fressfeinde. Die inneren Uhren sind aus dem Takt - auch bei der Vegetation: Sträucher und Bäume beginnen zu treiben. Ein später längerer Frosteinbruch kann verheerende Folgen haben.

Die Natur hält das schon aus? Gewiss, wäre dieser Winter ein einmaliger Ausreißer. Glaubt man den Wissenschaftern, ist dieser Winter jedoch eher ein Vorbote.

Panik ist dennoch unangebracht. Was es braucht, ist Vernunft. Und die sagt, dass jeder in seinem Bereich einen Beitrag leisten kann, damit die finale Katastrophe ausbleibt. Das sollte für eine Krone der Schöpfung zu schaffen sein.