Novak Djokovic ist wieder unter die Schauspieler gegangen und hat in Melbourne seine Psycho-Tricks, die er Brad Gilberts Buch "Winning Ugly - mentale Kriegsführung im Tennis" - entnommen haben könnte, vorgeführt. "Jedes Mal, wenn ein Match kompliziert wird, fragt er nach medizinischer Hilfe. Das macht er schon seit langer Zeit. Ich wusste, dass es bei den US Open passieren wird, es hier passieren wird und auch weiter passieren wird", polterte schon der spanische Tennisspieler Pablo Carreno Busta nach dem French-Open-Viertelfinale 2020.

Wie damals in Paris und bei anderen Turnieren ist Djokovic nun auch bei den Australian Open mit dem Vorwurf konfrontiert, im Drittrundenspiel gegen Grigor Dimitrow Komödie gespielt zu haben. Ziel des Herumgehumpels auf dem Court und des Rufs nach dem Arzt sei auch hier gewesen, den Bulgaren so wie einst Busta aus dem Konzept zu bringen, mutmaßten Medien. Es könnte sein, dass Djokovic "eventuell schauspielert", schrieb etwa das Online-Portal Sky Sport Austria und äußerte Bedenken, wie sonst der Star das Achtelfinale gegen Lokalmatador Alex de Minaur am Montag überstehen könnte.

Nun, tatsächlich überstand der Djoker dieses Spiel nicht nur, er deklassierte den Australier sogar mit 6:2, 6:1 und 6:2. Vergleicht man diese Performance mit jener gegen Dimitrow, so muss man fast den Eindruck gewinnen, dass ein anderer Djokovic auf dem Platz stand. Der Serbe spielte trotz Verband ein sensationelles Spiel, begeisterte mit beeindruckenden Punktgewinnen - und schwitzte nicht einmal dabei. Kein Wunder, dass da Zweifel um den echten Gesundheitszustand des Siegers aufkommen. Andererseits fragt man sich: Wozu aufregen? Wer die Partie zwischen Djokovic und de Minaur gesehen hat, dem war das Verletzungs-Theater in dem Moment wurscht. Wer staunt, der debattiert nicht.