Als im Sommer 1976 tausende junger Menschen den Auslandschlachthof St. Marx besetzten, war das bärtige Antlitz von Dieter Schrage eines der bekanntesten Gesichter dieser "Arena"-Bewegung, die Wiener Geschichte schrieb. Nun starb der Kulturwissenschafter einen Tag nach seinem 76. Geburtstag an einem Herzinfarkt in Wien.

Sein Werdegang war nicht untypisch für einen Intellektuellen nach 1968: Der Sozialdemokrat wandte sich den alternativen Bewegungen zu. Die SPÖ verließ er 1986 und betätigte sich politisch fortan bei den Grünen - zuletzt war er Sprecher der von ihm mitbegründeten "Initiative Grünen SeniorInnnen". Sein politisches Engagement ging einher mit dem Eintreten für kritische Kunst und Kultur. Zunächst Kulturreferent des Kunstfonds der damals mächtigen Zentralsparkasse, wurde er 1979 Kustos des Museums des 20. Jahrhunderts, das später in das Mumok umgewandelt wurde. Trotz einer Unterschenkelamputation 1992 bekleidete er diesen Posten bis 2001, betreute aber auch danach weiterhin Ausstellungen.